Beate Uhse: Blümchensex statt Porno

Porträt der Beate Uhse AG

1999 geht die Beate Uhse AG an die Börse

Das Unternehmen Beate Uhse AG ist untrennbar mit seiner gleichnamigen Gründerin verbunden, die in vielerlei Hinsicht eine einmalige Frau war: Beate Uhse startete in den 1930er Jahren eine Karriere als Kunstfliegerin, eröffnete den ersten Sexshop der Welt, war in der Folge Wegbereiterin für eine offenere Gesellschaft und feierte als Unternehmerin große Erfolge.

Erste Karriere als Pilotin

Die Grand Dame der Erotikbranche wird 1919 als Beate Köstlin in Ostpreußen geboren und verlässt im Alter von 16 Jahren die Schule, um sich ihren Kindheitstraum zu verwirklichen: Sie will Pilotin werden – für eine junge Frau damals ein ziemlich ungehöriges Anliegen. Doch schon damals weiß sie sich durchzusetzen. Als einziges Mädchen unter 60 Flugschülern erwirbt sie 1936 mit 17 Jahren den Pilotenschein. Zwei Jahre später legt sie die Prüfung zur Kunstfliegerin ab, ihr Lehrer ist ihr späterer Ehemann, Hans-Jürgen Uhse. 1939 heiraten die beiden, 1943 kommt ihr Sohn Klaus zur Welt. Kein Jahr später ereilt Beate Uhse ein herber Schicksalsschlag: Ihr Gatte kommt bei einer Flugzeugkollision ums Leben.

Kindheitstraum verwirklicht: Beate Uhse als Pilotin

Kindheitstraum verwirklicht: Beate Uhse als Pilotin

Doch das Schicksal meint es auch gut mit ihr: Wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa gelingt ihr mit einem Wehrmachtsflugzeug die Flucht aus dem von der Roten Armee eingekesselten Berlin. Mit an Bord ist ihr Sohn Klaus.

Neuanfang mit Aufklärungsschrift

Beate Uhse lässt sich in Flensburg nieder. Da in Deutschland jegliche fliegerische Aktivitäten verboten sind, ist ihre Karriere als Pilotin beendet. Zielstrebig startet sie eine zweite Karriere als Aufklärerin der Nation. Nach Kriegsende stehen die Frauen vor einem großen Problem: Sie haben den Wunsch nach Sexualität, fürchten aber schwanger zu werden. Verhütungsmittel gibt es nicht. Beate Uhse berät Frauen über natürliche Verhütungsmethoden und verfasst ihre berühmte „Schrift X“, in der die Berechnung der unfruchtbaren Tage erklärt ist.

Einstieg in den Versandhandel

1948 heiratet Beate Uhse erneut und startet mit ihrem Mann Ernst-Walter Rotermund den Versandhandel von Aufklärungsbroschüren, später auch von Kondomen. 1951 gründet sie das „Versandhaus Beate Uhse“, zwei Jahre später hat die Firma bereits 14 Mitarbeiter. Das Sortiment wächst stetig, Anfang der 1960er Jahre ist der Kundenstamm auf fünf Millionen angewachsen. Die Eröffnung des ersten Sexshops der Welt, „Fachgeschäft für Ehehygiene“ genannt, ist 1962 ein Skandal.

Porträt der Beate Uhse AG

Skandal! Der erste Sexshop der Welt öffnet seine Pforten

Unternehmerin mit Weitsicht

Doch mit Anfeindungen kennt sich Beate Uhse aus. In den 50er- und 60er-Jahren werden mehr als 3.000 Ermittlungsverfahren gegen sie angestrengt. Erst die Liberalisierung der Gesetze im Jahr 1975, an der sie maßgeblichen Anteil hat, bringt sie juristisch aus der Schusslinie. Als Unternehmerin beweist Beate Uhse Weitsicht. Ihr Unternehmen erhält 1981 die Rechtsform einer AG, 1992 steigt sie aus dem operativen Geschäft aus und wechselt in den Aufsichtsrat. 1991 geht die Beate Uhse AG an die Börse, am 16. Juli 2001 stirbt die Firmengründerin in der Schweiz an den Folgen einer Lungenentzündung.

Fast-Pleite und Neuausrichtung

Porträt der Beate Uhse AG

Dessous locken weibliche Kunden an

Das Internet und die damit verbundene permanente Verfügbarkeit von kostenlosen Pornofilmen machen dem Unternehmen schwer zu schaffen, 2010 steht die Firma vor der Pleite. Doch dem neuen Vorstandsvorsitzenden Serge van der Hooft gelingt der Umbau, sein Konzept „Blümchensex statt Porno“ geht auf. Das neu aufgestellte Produktsortiment mit Dessous, Vibratoren, Gleitcremes und Massageölen kommt bei weiblichen Käuferinnen gut an. Rund 80 Prozent der Neukunden sind laut dem Unternehmen Frauen.

Fotos: Beate Uhse AG