Der Rowohlt Verlag: Aus Tradition modern

Porträt des Traditionsunternehmens Rowohlt

Der Rowohlt Verlag: Anspruchsvolles und Unterhaltung unter einem Dach

Was haben die Schriftsteller Ernest Hemingway, Jean-Paul Sartre, Albert Camus, Vladimir Nabokov und Elfriede Jelinek gemeinsam? Sie alle haben den Literaturnobelpreis erhalten – und ihre Bücher werden in Deutschland beim Rowohlt Verlag in Reinbek bei Hamburg verlegt. Ein Verlag, der mit seinem Programm die perfekte Balance aus Anspruch und Unterhaltung findet und dessen Geschichte auf das Jahr 1908 zurückgeht.

Damals, vor mehr als einem Jahrhundert, brachte Ernst Rowohlt sein erstes Buch heraus: Lieder der Sommernächte von Gustav C. Edzard. Und obwohl das Buch sich überhaupt nicht verkaufte, gab Ernst Rowohlt seinen Traum, Verleger zu werden, nicht auf und gründete 1910 in Leipzig zusammen mit einem stillen Teilhaber den Ernst Rowohlt Verlag. In den folgenden Jahren erschienen dort Werke von diversen Autoren, die immer noch zum Kanon der modernen Literatur gehören, darunter Franz Kafka, Georg Heym und Arnold Zweig. Kurz nachdem die Partner sich verkrachten und Ernst Rowohlt seinen eigenen Verlag verlassen musste, brach der Erste Weltkrieg aus.

Ernst Rowohlt wagt den Neuanfang in Berlin

1919 gründete Ernst Rowohlt seinen Verlag in erneut und brachte sich mit der Veröffentlichung von Büchern von Autoren wie Kurt Tucholsky und Honoré de Balzac nachdrücklich in die Wahrnehmung der literarischen Öffentlichkeit. Auch als Pionier in Sachen amerikanischer Prosa machte sich Ernst Rowohlt einen Namen: Zu den Klassikern, die in seinem Verlag erschienen, gehören Thomas Wolfes „Schau heimwärts, Engel“ und Ernest Hemingways Romandebüt „Fiesta“. Heimat des zweiten Rowohlt Verlags war Berlin, und dieser Ort wurde schon bald ziemlich ungemütlich. 1933, nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, wurden viele Bücher des Verlags verboten, einige von ihnen landeten auf den Scheiterhaufen der Bücherverbrennungen. Schließlich verließ Ernst Rowohlt mit seiner Familie Berlin und Deutschland Richtung Brasilien.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gründete Ernst Rowohlt seinen Verlag zum dritten Mal: zunächst in Stuttgart, später in Hamburg, 1960 wurde dann der Umzug nach Reinbek vollzogen. Zum Erfolg des Verlags trug die Einführung des preiswerten Taschenbuchprogramms rororo im Jahr 1950 maßgeblich bei. Für 1 DM konnten Literaturfreunde Bücher wie William Faulkners „Licht im August“ oder Graham Greenes „Die Kraft und die Herrlichkeit“ erstehen.

Alexander Fest entdeckt große US-Autoren wie Jonathan Franzen

Rowoohlt hat den Bestseller "Die Korrekturen" von Jonathan Franzen verlegt

Rowoohlt hat den Bestseller „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen verlegt

1960 starb Ernst Rowohlt, gut 20 Jahre später, 1982, verkauften die Erben ihre Anteile am Verlag an die Holtzbrinck Verlagsgruppe, die zwei Jahre später zum alleinigen Besitzer des Rowohlt Verlags wurde. Von 1984 bis 1995 leitete Michael Naumann das Haus, der spätere Kulturstaatsminister der Bundesrepublik wurde von Nikolaus Hansen abgelöst. Seit 2002 fungiert Alexander Fest als verlegerischer Geschäftsführer, der sich auf die Fahne schreiben kann, so wichtige US-Autoren wie Jeffrey Eugenides („Middlesex“) und Jonathan Franzen („Die Korrekturen“) in Deutschland populär gemacht zu haben.

Ein Blick in das aktuelle Programm von Rowohlt für die Lesesaison Herbst/Winter 2014/20145 zeigt, dass der Verlag immer noch zu den führenden deutschen Häusern gehört: Hier erscheinen unter anderen der Debütroman des Blumfeld-Sängers Jochen Distelmeyer („Otis“), das neue Buch des großen Postmodernen Thomas Pynchon („Bleeding Edge“), Martin Walsers „Tagebücher 1979 – 1981“, Jonathan Franzens Aufsatzsammlung „Das Kraus-Projekt“ und ein Kompendium von Songtexten und Notizen des 1980 verstorbenen, aber unvergessenen Joy-Division-Sängers Ian Curtis („So this is Permanence“).

Fotos: Rowohlt Verlag GmbH/Screenshot