Dornbracht: Freidenker der Luxusbranche

Porträt des Armaturenherstellers Dornbracht

Dornbracht bringt Luxus in Bad und Küche

Der mittelständische Armaturenhersteller Dornbracht ist Weltmarktführer im Luxussegment. Zwei Krisen gaben den Ausschlag dafür, dass die familiengeführte Firma ihr Geschäftsmodell umkrempelte und eine neue Kultur des kreativen Denkens etablierte.

Bereits Ende der 1960er Jahre beginnt Dornbracht, Luxusarmaturen herzustellen – bedient aber ebenso den Massenmarkt, führt Produkte mit einer Preisspanne von 18 bis 2000 DM im Programm. Das führt zu einem rasanten wirtschaftlichen Wachstum, doch Mitte der 1980er Jahre zeigt sich auf dramatische Weise, dass es so nicht weitergeht. Das Unternehmen ist zu schnell gewachsen, Finanzwesen, Logistik und die gesamte Strukturen haben dem nicht mitgehalten. Dornbracht muss sich von Hunderten Mitarbeitern trennen.

Massenware ade

Helmut Dornbracht und seine inzwischen ebenfalls im Familienbetrieb tätigen Söhne Andreas und Matthias richten das Unternehmen neu aus. Ab jetzt wird nur noch das Luxussegment bedient, der auf Dauer nicht funktionierende Spagat zwischen Armaturen von der Stange und Haute Couture beendet.

Am Anfang steht eine Innovation

Die Unternehmensgründung im Jahr 1950 ist das Ergebnis vieler Nachtschichten. Der seinerzeit 57-jährige Aloys F. Dornbracht und sein Sohn Helmut verdienen tagsüber als Angestellte ihr Geld, abends basteln sie in einer Baracke in Iserlohn an ihrer ersten Küchenarmatur. Sie entwickeln ein ganz neuartiges Produkt: eine Armatur mit ausziehbarem Auslauf, über den sich Wasser direkt in die auf dem Herd stehenden Töpfe gefüllt werden kann. Mit der Eisenbahn und den ersten fertigen Armaturen im Gepäck geht Aloys Klinkenputzen – der Startschuss für die nicht krisenfreie Erfolgsgeschichte von Dornbracht.

Nach der wirtschaftlichen Krise samt Neuausrichtung Mitte der Achtziger gerät Dornbracht rund zehn Jahre später in eine weitere Krise. Diesmal ist es eher eine Sinnkrise. Andreas und Matthias Dornbracht, die mittlerweile allein das Unternehmen leiten, sorgen sich um die Zukunft. Designarmaturen gibt es von allen Herstellern – und zu günstigeren Preisen. Nur mit schicker Optik kann die Firma auf Dauer nicht erfolgreich sein.

Porträt des Armaturenherstellers Dornbracht

Das Mem-Bad – mehr Wohnraum als herkömmliches Badezimmer

Um sich neue Inspirationen zu verschaffen, beauftragen die Dornbracht-Brüder verschiedene Künstler, sich mit dem Thema Badkultur zu beschäftigen. Die Werke der Künstler verschaffen Andreas und Matthias einen neuen Blick auf ihr Metier. Körperpflege und die dazugehörigen Rituale geraten in den Mittelpunkt ihres Denkens. Das erste Resultat dieser neuen Sichtweise ist das berühmte Mem-Bad. Dornbracht vollzieht die Abkehr von der Nasszelle, das neue Badezimmer ist ein Pflege- und Entspannungsraum mit Liege, Tauchbecken und Pflanzen.

Freies Denken als Triebfeder für neue Innovationen

Die Denkanstöße, die die Kunst geliefert hat, versucht sich Dornbracht nun selbst zu verschaffen. Man formuliert im Unternehmen absichtlich vage gehaltene Leitthemen, mit denen sich dann kleine Teams auseinandersetzen. Aus der Beschäftigung mit dem Thema „The Spirit Water“ etwa geht der Verkaufsschlager „Rain Sky“ hervor. Es handelt sich dabei um ein großflächiges Duschpanel, das in der Decke installiert wird und aus dem es wie aus einer Wolke auf den Duschenden herabregnet.

Porträt des Armaturenherstellers Dornbracht

Weitere Innovation: die Liegedusche Horizontal Shower

Das Beispiel „Rain Sky“ zeigt aber auch, mit welchen Problemen Dornbracht zu kämpfen hat. Das neuartige Produkt, in dessen Entwicklung viel Zeit und Geld geflossen ist, muss sich nur wenige Monate nach dem Marktstart legaler und illegaler Plagiate erwehren. Einen Großteil des Geschäfts machen Konkurrenten mit Billigkopien der Wolkendusche. Dornbracht ist zu ständiger Innovation verdammt, um als Mittelständler in der Luxusnische erfolgreich zu bleiben.

Fotos: Dornbracht Deutschland GmbH & Co. KG