Eine reife(n) Leistung – der Aufstieg der Continental AG zum Weltkonzern

Firmenporträt des Traditionsunternehmens Continental

Die Continenatal-Firmenzentrale in Hannover

Continental? Na klar, das ist doch dieser Reifenhersteller, oder? Kommen die nicht irgendwo aus Niedersachsen? – Stimmt schon, könnte man sagen. Aber nicht wirklich: Denn die Continental AG aus Hannover ist weltweit einer der größten Zulieferer für die Automobilindustrie, mit rund 178.000 Mitarbeitern, die in 49 Ländern für Continental tätig sind (Stand Jahresende 2013). Der Umsatz im vergangenen Jahr betrug 33,331 Milliarden Euro. Beeindruckende Zahlen, die sich auch im Aktienkurs niederschlagen: Im Juni 2014 kletterte der Kurs auf ein Allzeithoch von 171 Euro.

Firmenporträt des Traditionsunternehmens Continental

Historische Aktie der „Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie“

Begonnen hat diese Erfolgsgeschichte im Jahr 1871, als der heutige Weltkonzern in Hannover als „Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie“ ins Leben gerufen wird. Zunächst stellt man vor allem Bereifungen für Kutschen und Fahrräder her, ab 1898 auch für Autos. Im Jahr 1904 bringt Conti den weltweit ersten Luftreifen, der ein Profil hat, auf den Markt. Die Firma expandiert schnell: Schon bald arbeiten im In- und Ausland mehr als 12.000 Menschen für Continental.

Eine US-Firma half Continental nach dem Ersten Weltkrieg wieder auf die Reifen

Dann brach der Erste Weltkrieg aus, die Produktion wurde musste auf Güter umgestellt werden, die als „kriegswichtig“ eingestuft wurden, darunter Gasmasken und Dichtungen für Seeminen. Auch mit einem Rohstoffengpass hatte man während der Kriegsjahre zu kämpfen, sodass es ein paar Jahre dauerte, bis das Kerngeschäft wieder in Schwung kam. Das änderte sich mit dem Einstieg des US-Reifenherstellers Goodrich. Die jetzt wieder reichhaltig verfügbaren Rohstoffe und das technische Know-how sorgten dafür, dass Continental zur Nummer eins unter den deutschen Autoreifenherstellern aufstieg.

Firmenporträt Continental

Reifen waren jahrelang das Hauptprodukt von Continental

Zur nächsten Krise kam es nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Rohstoffe ein weiteres Mal knapp waren. Wieder waren es US-amerikanische Unternehmen, die dabei halfen, Continental den Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen. Mit den Fünfzigerjahren und dem Wirtschaftswunder ging es auch für Conti steil bergauf. Dazu trugen auch Innovationen wie der schlauchlose Reifen. Am Ende dieses vom Aufbruch geprägten Jahrzehnts konnte Continental sich erneut der Marktführerschaft rühmen. Sichtbares Zeichen des neuen Selbstbewusstseins war das 15 Stockwerke hohe Conti-Haus am Königsworther Platz, in dem die Hauptverwaltung saß.

Die Übernahme durch Pirelli konnte abgewehrt werden

In den Siebzigerjahren wurden Conti und andere deutsche Reifenfirmen von ausländischen Unternehmen abgehängt. Denn während Conti & Co. auf Textilgürtelreifen setzten, begann der weltweite Siegeszug des Stahlgürtelreifens, der wesentlich belastbarer und haltbarer war. In Zahlen hieß das: Der Anteil deutscher Reifenhersteller am Weltmarkt sank innerhalb weniger Jahre von 75 auf weniger als 30 Prozent.

Die nächsten Jahrzehnte sahen viele Änderungen in der Branche – und einen spektakulären Übernahmeversuch. Anfang der Neunzigerjahre versuchte der italienische Konkurrent Pirelli sich Conti unter den Nagel zu reißen, was mit der Hilfe der Deutschen Bank verhindert werden konnte. Ende 2008 aber war es soweit: Die Schaeffler-Gruppe erwarb eine Minderheitsbeteiligung an Continental und wollte von nun an das Sagen haben, was zu größeren Streitigkeiten führte. Im Jahr 2009 stand es dann gar nicht mehr gut um Schaeffler und Continental. Die Unternehmen waren mit 9,5 Milliarden (Conti) bzw. zwölf Milliarden Euro verschuldet.

Porträt des Traditionsunternehmens Continental

Continental ist heute einer der größten Automobilzulieferer

Doch die Zeiten haben sich geändert, inzwischen werden bei Continental wieder gute Geschäfte gemacht, weil man gelernt hat, auf den stetigen Wandel in der Wirtschaft flexibel zu reagieren. Und so bietet man heute neben Reifen unter anderem auch Bremssysteme, Infotainment-Lösungen und Instrumentierungen an und gehört zu den fünf erfolgreichsten Automobilzulieferern der Welt mit Standorten auf allen fünf Kontinenten.

Fotos: Continental AG