Heraeus – Ein hessischer Familienbetrieb wächst zum Weltkonzern

Weltkonzern mit mittelständischen Wurzeln: das Hauptwerk von Heraeus in Hanau.

Weltkonzern mit mittelständischen Wurzeln: das Hauptwerk von Heraeus in Hanau.

Die Heraeus Holding ist ein global agierender Technologiekonzern, ein Traditionsunternehmen aus der sechstgrößten hessischen Stadt Hanau und – gemessen am Umsatz – eines der größten deutschen Familienunternehmen. Die beiden Hauptgeschäftsfelder sind Technologien und Edelmetalle – mit einem Edelmetall fängt auch alles an. Wir schreiben das Jahr 1851, als Wilhelm Carl Heraeus etwas gelingt, was vor ihm niemandem gelingen wollte, und womit er den Grundstein für eine fast märchenhafte wirtschaftliche Erfolgsgeschichte legt.

Das erste Verfahren zum Schmelzen von Platin

1851 übernimmt Wilhelm Carl im hessischen Hanau die väterliche Apotheke, die bereits seit dem Jahr 1660 im Besitz der Familie Heraeus ist. Hanau ist eine Goldschmiedestadt, seit Ende des 18. Jahrhunderts wird hier das Edelmetall Platin zur Schmuckherstellung verwendet. Das Problem dabei: Platin hat eine außerordentliche Zähigkeit und schmilzt erst bei 1770 Grad Celsius. Ein Schmelzverfahren gibt es bis dato nicht, die Goldschmiede müssen das Metall in sehr aufwendigen Schmiedeprozessen bearbeiten.

Wilhelm Carl, der Chemie und Pharmazie studiert hat, nimmt sich der Sache an. Er experimentiert und experimentiert, 1856 kommt der Durchbruch. Mithilfe eines selbst konstruierten Gebläsebrenners gelingt es ihm erstmals, eine größere Menge Platin zu schmelzen und in hochreiner Form zu gewinnen. Wilhelm Carl gründet die „Erste Deutsche Platinschmelze W. C. Heraeus“ und produziert im Jahr 1857 mit seinem Betrieb 30 Kilogramm reinen Platins.

Ende des 19. Jahrhunderts, mittlerweile leiten die Söhne Wilhelm und Heinrich das Unternehmen, schmilzt und verarbeitet der Betrieb bereits rund 1.000 Kilogramm Platin im Jahr, das Unternehmen zieht mit seinen etwa 40 Mitarbeitern vor die Tore der Hanaus.

Der zweite Meilenstein: Die Gewinnung von Quarzglas

Wilhelm und Heinrich investieren in Forschung und Entwicklung – und treffen eine wegweisende Entscheidung: Sie holen ihren Schulfreund Richard Küch ins Unternehmen. Der Physiker und Chemiker macht zahlreiche Erfindungen, die bis heute den Grundpfeiler für zahlreiche Geschäftsbereiche der Firma darstellen. 1899 entwickelt Richard Küch ein Verfahren zur Gewinnung von nahezu blasenfreiem Quarzglas – ein Meilenstein wie zuvor das Verfahren zur Platinschmelze. In der Folge entwickelt sich Heraeus zu einem der bedeutendsten Unternehmen auf seinem Sektor, der Betrieb beliefert die elektrochemische und Kunststoffproduzierende Industrie mit dringend benötigten Platinprodukten.

Global agierend und breit aufgestellt

Ab 1927, als die dritte Generation der Familie Heraeus die Firmenleitung übernimmt, geht es rasant bergauf. Der Betrieb wandelt sich zum Multi-Produkt-Unternehmen und nach dem Zweiten Weltkrieg zum multinationalen Konzern. Im Jahr 2001 feiert der familiengeführte Konzern sein 150-jähriges Jubiläum. Begleitet von stetigem Wandel, ist Heraeus heute breit aufgestellt und auf sechs Geschäftsfeldern aktiv. Die Heraeus Holding beschäftigt weltweit rund 12.5000 Mitarbeiter, allein 3.000 von ihnen produzieren Sensoren und Messsysteme für Metallschmelzen. Dies ist – gemessen an der reinen Mitarbeiterzahl – der größte Geschäftsbereich von Heraeus. Sehr erfolgreich ist der Konzern zudem in den Bereichen industrielle Hightech-Produkte, Medizin, Speziallichtquellen und Quarzglas, das ein wichtiger Werkstoff für die optische, chemische und die Halbleiterindustrie ist. Für die Zukunft scheint der Konzern bestens gerüstet, auch wegen der mehr als 5.3000 Patente, die das Traditionsunternehmen besitzt.

Fotos: Heraeus Holding GmbH