Knusperkompetent seit 125 Jahren – Bahlsen weiß, wie backen geht

Bahlsen - der Keks mit 125-jähriger Tradition.

Der Leibniz Butterkeks

Jeder kennt ihn, fast jeder liebt ihn: Der Leibniz-Butterkeks ist in Deutschland sozusagen der Volkskeks. Vor 125 Jahren wurde er zum ersten Mal in den Ofen geschoben! Die Firma Bahlsen, damals nur aus wenigen Mitarbeitern einer Backstube bestehend, ist heute ein weltweit agierendes Großunternehmen.

Es war einmal in Hannover

Vom Backen verstand er erstmal gar nichts –1889 übernimmt der junge Kaufmann Hermann Bahlsen ein Fabrikgeschäft für englisches Gebäck, das in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Die Firma mit zehn Angestellten heißt ab sofort „Hannoversche Cakesfabrik H. Bahlsen“: Das deutsche Wort „Keks“ gibt es damals noch nicht. Wie englisches Teegebäck, so sollen sie sein, die Kekse des Hermann Bahlsen – das lose Gebäck wird anfangs aus einer Tonne heraus verkauft, und die Geschäfte laufen gut. Da der junge Fabrikant sich wünscht, dass seine „Buttercakes“ den Namen einer Persönlichkeit tragen sollen, nennt er sein Produkt „Leibniz-Keks“ – frei nach dem berühmten Hannoveraner Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz.

Gold für den Keks

1893 baut Hermann Bahlsen eine Fabrik, in der 100 Arbeiter den Leckerbissen mit den 52 Zähnen herstellen. Schnell wird daraus ein bekanntes Markenprodukt. Auf der Weltausstellung in Chicago erhält Bahlsen für seinen Keks sogar die Goldmedaille, und schon bald strahlt am Potsdamer Platz in Berlin eine der ersten Leuchtreklamen überhaupt: Auf dem Dach der Bellevue-Apotheke präsentiert sich das goldbraune Knusperstück in voller Pracht. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts zieht der Leibniz-Keks in eine luftdichte Verpackung um – fortan ist er lange haltbar und wird unter anderem auch an Bahnhöfen oder Kiosken verkauft. Die schnelle Mahlzeit für unterwegs ist geboren.

Nachwuchs für die Keks-Familie

Zum Leibniz-Keks gesellen sich nun auch andere Kreationen: Bahlsens „ABC Russisch Brot“ oder die Waffel „Noch Eine“ gibt es ebenfalls noch heute. Ganze 1.700 Angestellte arbeiten im Jahr 1912 für den Keks-Fabrikanten. Sein Werk heißt in Hannover nur „Knusperhaus“ – es ist das modernste seiner Art in Europa. Das Wohl seiner Angestellten liegt dem Firmengründer sehr am Herzen: Er führt eine Betriebszeitung ein und erlässt feste Zeiten für die Körperpflege. Einmal in der Woche, während der Arbeitszeit, ist Baden Pflicht.

1919 stirbt Hermann Bahlsen. Er hinterlässt vier Söhne, die zwischen 11 und 17 Jahre alt sind. Im zweiten Weltkrieg hat Bahlsen mit knapp werdenden Backzutaten zu kämpfen, wird dann aber zum „kriegswichtigen Betrieb“ ernannt. Die nächsten Jahre werden im Knusperhaus Knäckebrot und Zwieback produziert – Notverpflegungen für deutsche Soldaten. Am Ende des Krieges liegt Hannover in Trümmern, 60 Prozent der Fabrik und sämtliche Auslieferungslager sind zerstört. Zunächst wird hier Brot gebacken, doch schon 1945 laufen wieder Kekse vom Band. Im Stammhaus des Gebäckimperiums haben jetzt drei Söhne von Hermann Bahlsen das Sagen: Hans ist Ingenieur und kümmert sich um die Technik, Klaus ist der kreative Kopf und sorgt für die Entwicklung neuer Produkte, Werner hat die Führung inne.

Risse in der Keksdynastie

Nach dem Tod von Werner Bahlsen übernehmen seine Söhne sowie der Sohn seines Bruders Hans das Zepter. Zwischen den beiden Familien entbrennt jedoch nach kurzer Zeit ein Machtkampf. Werner Michael und Lorenz, die Söhne Werner Bahlsens, setzen sich durch, ihr Cousin Hermann verlässt das Unternehmen. Doch auch zwischen den beiden verbleibenden Brüdern gibt es bald Zwist: Das Unternehmen wird aufgeteilt, Lorenz übernimmt mit Chipsletten, Salzletten und Co das salzige und Werner Michael das süße Sortiment.

Bahlsen ist heute nach wie vor die Nummer eins auf dem deutschen Keksmarkt. Das Traditionsunternehmen produziert jährlich rund 142.000 Tonnen Süßgebäck und verkauft sie weltweit in mehr als 80 Ländern.


Artikelbild: Bahlsen_Leibniz_screenshot