Tchibo – Ein Kaffeeröster erobert die Republik

Porträt des Traditionsunternehmens Tchibo

Die Hamburger Firmenzentrale des Kaffeerösters Tchibo.

Tchibo und Kaffee – das ist eine Erfolgsgeschichte, die im Nachkriegsdeutschland ihren Lauf nimmt. Der Kaufmann Max Herz und sein Partner Carl Tchilling gründen 1949 in Hamburg einen Versandhandel für Röstkaffee. Die schwarzen Bohnen kommen per Post und wahlweise in Kaffeedosen oder den damals gängigen Verpackungen, den sogenannten Taschentuch- und Geschirrtuchbeuteln, in die Häuser und Wohnungen der kaffeedurstigen Bevölkerung. Heute ist Tchibo weit mehr als ein Kaffeeröster, nämlich eines der größten international tätigen Konsumwaren- und Einzelhandelsunternehmen Deutschlands.

Die Herkunft des Firmennamens

Damals, in den Anfangstagen, dreht sich aber noch alles um Kaffee – was sich auch im Namen des Unternehmens widerspiegelt. Obwohl, Hand auf Herz: Wissen Sie, woher sich der Firmenname ableitet? Des Rätsels Lösung: Tchibo setzt sich zusammen aus der Silbe „Tchi“ aus dem Nachnamennamen des Mitbegründers Carl Tchilling und aus dem zu einem „Bo“ verkürzten Wort „Bohne“. Bis ins Jahr 1962 gibt es zudem eine Werbefigur in Gestalt eines kleinen Kobolds, der ebenfalls den Namen Tchibo trägt.

Der Kaffeeversand floriert, ein echter Bestseller ist die Sorte „Mocca Festtagsmischung“, das Pfund kostet 13,50 DM. Als clevere Marketingaktion entpuppt sich nicht nur der schon erwähnte Kobold, sondern auch das „Tchibo Magazin“, das erstmals 1952 erscheint und die vorwiegend weibliche Leserschaft mit Mode, Unterhaltung, Rezepten für den schmalen Geldbeutel, Schnittmustern und Horoskopen unterhält.

Tchibo-Filialen erobern die Republik

1953 öffnet in der Hamburger Hoheluftchaussee eine erste Verkaufsstelle ihre Pforten – direkt neben der Rösterei, den Kaffee gibt’s also frisch ab Werk. Ein Jahr später fällt der Startschuss für die erste richtige Tchibo-Filiale, bezeichnenderweise in der Straße Caffamacherreihe. 1957 gibt es bereits 77 Läden in Deutschland, neue Filialen öffnen nahezu im Wochentakt. 1965 beträgt die Zahl der Filialen stolze 400. Zwei Jahre zuvor geht es mit den sogenannten Frische Depots in Bäckereien los, 1971 existieren bereits 2.900 dieser Shops-in Shops.

Das Jahr 1973 markiert eine Zäsur für das Unternehmen. Tchibo ergänzt das Kaffeesortiment erstmals um Gebrauchsgegenstände, Bestseller sind zunächst Frühstücksbretter und Tischsets. 1987 startet die Firma den Verkauf von Premiumkaffe der Marke „Privat Kaffee“, der aus ausgesuchten Anbauländern stammt. Ab 1990 erobern die Tchibo-Produkte auch die neuen Bundesländer sowie die Supermärkte, ein Jahr später beginnt die Expansion gen Zentral- und Osteuropa.

Das Aus für die Eigenmarke TCM

Das Unternehmen wächst in der Folge beständig und nimmt immer weitere Produkte und Dienstleistungen ins Programm, darunter Autos, Reisen und Versicherungen. Aber es läuft nicht immer alles rund. 2007 verkündet Tchibo, seine Eigenmarke TCM – 2006 noch eine der zehn beliebtesten Marken Deutschlands – nicht fortzuführen. TCM lebt fortan lediglich als Tchibo-Gütesiegel für geprüfte Qualität der angebotenen Produkte weiter.

Schon seit einigen Jahren setzt Tchibo verstärkt auf Nachhaltigkeit, wird beispielsweise 2012 mit dem Preis für Unternehmensethik ausgezeichnet und tritt 2014 der Detox-Kampagne von Greenpeace zur chemiefreien Herstellung von Textilien bei. Der Jahresumsatz 2013 beläuft sich auf 3,5 Milliarden Euro, Tchibo beschäftigt etwa 12.450 Mitarbeiter, darunter 8.5000 in Deutschland.

Fotos: Quelle: Tchibo