Vivil: Mit Pfefferminz bin ich…

Porträt des Traditionsunternehmens Vivil

Mit dem Pfefferminzbonbon aus der grünen Rolle fing alles an

Die Sorte „natürliches Pfefferminz“ aus der grünen Rolle ist der Klassiker unter den Minzbonbons. Seit mehr als 100 Jahren sorgt er nun schon für den Frischeschub aus der Hosentasche. Wir verdanken ihn den Tagträumen eines jungen Mannes, der während des schweißtreibenden militärischen Drills die Idee zu einem Erfrischungsschub aus der Hosentasche hatte.

Die Idee wird quasi aus der Not geboren. Der Kaufmann August Müller, der seinen Militärdienst ableistet, entwickelt beim nicht enden wollenden Exerzieren unter der glühenden Sonne die Idee zu einem Erfrischungsbonbon, der in jede Hosentasche passt und für Kühlung in heißen Momenten sorgt. August setzt seinen Gedanke in die Tat um, gründet in Straßburg die Firma A. Müller & Co. und bringt 1903 seinen Pfefferminzbonbon auf den Markt. Müller scheint nicht der Einzige zu sein, dem öfter nach einem Frischeschub ist, die Pastillen der seit 1908 geschützten Marke Vivil verkaufen sich prächtig. Schon bald haben sie halb Europa erobert, 1908 setzt sich ihr Siegeszug auf dem amerikanischen Kontinent fort.

Reklame wird groß geschrieben

Als Straßburg an Frankreich fällt, zieht der Betrieb um – ins malerische Offenburg auf der anderen Seite des Rheins. Bruno Müller löst seinen Vater an der Unternehmensspitze ab und setzt alles daran, die Marke Vivil noch bekannter zu machen. Sein Rezept: Reklame, Reklame und nochmals Reklame. Ob Bahnhof, Großveranstaltung oder Sportwettkampf: Überall und zu jeder Gelegenheit wird für Vivil geworben.

Nachdem Ende des Zweiten Weltkriegs muss die Firma von vorn anfangen – auch in personeller Hinsicht. Bruno Müller bleibt verschollen, der Firmengründer und Seniorchef verstirbt im Jahr 1947. Zunächst übernimmt Brunos Witwe Elisabeth das Ruder. Sie verstirbt jedoch früh, die Geschäfte übernimmt ihre Schwester, die bekannte Frauenrechtlerin Emmy Rebstein-Metzger. Sie bringt den Motor wieder auf Touren, die Produktion in Offenburg läuft an und wird ausgebaut. Während des Wirtschaftswunders und weit bis in die Siebziger ist Vivil in aller Munde, das grüne Reklame-Krokodil kennt jeder.

Ein Imagewechsel muss her

Im neuen Jahrtausend zeigt sich dann immer mehr: Vivil hat an Strahlkraft verloren, den jungen Leuten ist die Marke kein Begriff mehr. Und dann sind da noch die Eigenmarken der Supermarktketten, die an den Marktanteilen des Unternehmens knabbern. Der neue Firmenchef Alexander Müller-Vivil, seit 2012 am Ruder, greift auf eine neues und ein bewährtes Rezept zurück: Er bringt neue, zuckerfreie Sorten auf den Markt – und setzt auf Werbung. Mit TV-Spots und dem Slogan „Willkommen in der vivilisierten Welt!“ soll der Imagewechsel gelingen.

Die Strategie scheint aufzugehen: Das Familienunternehmen macht mit rund 220 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 80 Millionen Euro. 260.000 Päckchen mit Bonbons werden tagtäglich in Offenburg hergestellt – darunter die neuen Geschmacksrichtungen ohne Zucker und natürlich der Klassiker aus der grünen Rolle.

Foto: Screenshot vivil.de